Friedrich-Wilhelm
Schnurr
Lippische Landeszeitung
1929 – 2017
OK
LLZ 03.02.2009
ELEGANTE WORTWAHL, PROFUNDES WISSEN
Lippisches Kultur-Journal
Galakonzert für den Pianisten Friedrich Wilhelm Schnurr

Detmold (ans). Er wolle nicht so viele Worte machen, meinte Friedrich Wilhelm Schnurr zum Dank für die große Gala, die sie dem ebenso verdienten wie verehrten 80-Jährigen am Sonntagmorgen im Sommertheater bereiteten. Er wolle sich so bedanken, wie er es am besten könne: mit einem Andante von Wolfgang Amadeus Mozart.

Und in den wenigen Minuten, die diese Komposition in Anspruch nehmen sollte, bestätigte Schnurr einmal mehr, warum er zu den weltweit einflussreichen Pianisten seiner Generation gehörte. Sein Kollege und Freund, der Hornist Michael Hoeltzel, wusste in seiner Laudatio gar die Presse mit einem Urteil zu zitieren, die Schnurr noch vor dem großen Alfred Brendel sah. Mit einer immer noch ungemein nuancen­reichen Meditation vermochte Friedrich Wilhelm Schnurr die Genialität Mozarts hörbar zu machen.
Dass Mozart viel, viel mehr ist als die Eleganz und Leichtigkeit, mit der er oft allzu schnell wahrgenommen wird, das durften die vielen Gäste und Besucher der Gala an diesem Morgen in aller Ausführ­lichkeit erfahren. So hatten sich ehemalige Eleven des Klavierprofessors und Rektors der Hochschule für Musik Detmold, die früher Nord­west­deutsche Musik­akademie hieß, doch ganz der Musik Mozarts verschrieben, die dieser für zwei Klaviere komponierte.
Durchweg war es seinen Schülern Yumiko Suemasa und Yasko Linnartz in desse Larghetto und Allegro Es-Dur, Mari Adachi und Klaus Bernhard Roth in Adagio und Fuge c-Moll und Rieko Yoshizumi und Yoshiko Iwai in der D-Dur Sonate für zwei Klaviere gelungen, die virtuos komponierte geistige Tiefe der jeweiligen Werke mit jener filigran ausformulierten Anmut hörbar zu machen, die sie von ihrem Lehrer erlernt.

Neben Mozart erklangen noch zwei hochinteressante Kompositionen von Schnurr-Schülern. Michiko Suzuki und Yumi Takatsuki begeisterten mit der Étude-Caprice VIII von Thomas Lefeldt, und Yasuo Kimura und Jokob Schröder interpretierten sehr überzeugend die „Fahrt in das Innere des Steins II”, einem Dramatischen Dialog für zwei Klaviere von Brigitte Schäfer.
Schnurr-Schüler Mark Holm griff als einziger nicht nur in die Tasten (mit einem bezaubernden Ausflug zu Schumanns Fremden Ländern und Menschen), sondern erzählte im Nachhinein höchst Amüsierliches aus der „Werkstatt” des Klavierprofessors. Insbesondere seine ele­gante Wortwahl, mit der Schnurr die jeweiligen Leistungen ebenso höflich wie deutlich zu beurteilen wusste, fand viele Lacher.
Dass diese Wortwahl das profunde Wissen um die Musik widerspiegelte, erläuterte Holm nicht nur daran, wie Schnurr die jeweiligen Interpretationen eines Werkes durch so große Kollegen wie Wilhelm Kempff und andere nachzu­spielen und zu erläutern verstand, um dann seine eigene höchst plausible dagegen zu stellen.
Dieses profunde Wissen bildete sich schon in frühester Jugend, wie der Schulfreund aus Gütersloher Tagen Dr. Peter Zinkann zu berichten wusste. Er sei bis heute beeindruckt davon, wie Schnurr in jungen Jahren Bachs d-Moll Toccata auf der Orgel gespielt habe.

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Last modified: June 07 2018