Friedrich-Wilhelm
Schnurr
Westdeutsche Allgemeine
1929 – 2017
OK
WAZ 03.03.1998
Schnurr spielt Diabelli-Variationen
EIN ABBILD DER TONWELT BEETHOVENS

Der Prophet gilt nicht viel im eigenen Land: Diese könnte man auch über Friedrich Wilhelm Schnurr sagen, der am Sonntag Gast der Mozart-Gesellschaft im Harenberg City-Center war.

Ist der Pianist und ehemalige Rektor der Musikhochschule Detmold doch im Ausland um einiges bekannter als in Deutschland.
Das Hauptwerk des musikalischen Nachmittages im vollbestzten Amphisaal waren Beethovens Diabelli-Variationen. Anton Diabelli, 1781 in Mattsee bei Salzburg geborener Kleinmeister und Verleger, dessen Werke längst verdienter Vergessenheit anheimgefallen sind, hatte mehrere Komponisten gebeten, über ein von ihm komponiertes Walzerthema eine Variation zu schreiben. Beethoven beendete 1823 seinen auf 33 Variationen ausgedehnten Beitrag.
Hans von Bülow nannte ihn „den Mikrokosmos des Beethovenschen Genius, ein Abbild der ganzen Tonwelt im Auszug”.

Schnurr trug dem Charakter jeder einzelnen Variation Rechnung und vermochte ihn herauszuarbeiten: brilliante Läufe in den Allegri, dramatisch plakative Akkorde in den Maestoso-Abschnitten bis hin zum grandiosen Finale der Fuge, die Variation 32 ausfüllt und fast schon Schlusswirkung erzielt. Bewundernswert, wie Schnurr in der 33. Variation dann noch die Ruhe findet, ein zartes Menuett zu spielen, das den wirklichen Schluss bildet.
Dem Variationszyklus war die kurze Sonate Nr.27 e-Moll op.90 vorangestellt, die bemerkenswerterweise nur zwei Sätze hat: Auch hier spielte Schnurr kraftvoll und vermochte die Strukturen klar herauszuarbeiten. Abgesehen von den etwas ausufernden Erklärungen, die der Vorsitzende der Mozart-Gesellschaft gab, war das Publikum höchst zufrieden.

MLG

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Last modified: June 07 2018